Wie lange ein falscher Satz überlebt
Am 14. August kam ein Satz auf die Über-Seite, der besagte, wir messten bewusst weder Absprungrate noch Verweildauer, weil beides eine über mehrere Seitenaufrufe verfolgte Sitzung bräuchte und damit ein Einwilligungsbanner auf der eingebundenen Seite.
Am 27. August haben wir die Verweildauer ausgeliefert. Der Satz blieb stehen.
Dreizehn Tage richtig, achtundzwanzig Stunden falsch
Die Daten sind genau, weil das Verzeichnis sie kennt. Der Satz trifft am 14. August um 22:41 ein. Die Verweildauer in sechs Stufen trifft am 27. August um 17:53 ein — und ab dieser Minute ist die zweite Hälfte des Satzes falsch. Berichtigt wird er am 28. August um 21:57.
Er war also dreizehn Tage richtig und achtundzwanzig Stunden falsch, was nach einem guten Verhältnis klingt, bis auffällt, dass in diesen achtundzwanzig Stunden nichts sie hätte beenden können. Kein Test schlug fehl. Keine Prüfung meldete sich. Die Seite baute sich auf, das Feature lief, und die beiden widersprachen einander leise in elf Sprachen.
Warum keine Prüfung ihn hätte fangen können
Jede automatische Prüfung in diesem Projekt vergleicht zwei Dinge, die beide im System stehen: eine Zeilenzahl gegen elf, eine Beschriftungsbreite gegen ihren Platz, eine Tabellenliste gegen das Schema. Eine Behauptung auf einer Seite ist mit nichts vergleichbar. Sie ist Prosa über die Welt, und die Welt war in diesem Fall eine Tabelle, die in einem ganz anderen Teil des Codes entstanden war.
Denkbar wäre eine Prüfung, die den Über-Text nach Feature-Namen durchsucht und sie nachschlägt. Sie wäre lang, zerbrechlich, und sie würde die interessanten Fälle trotzdem verfehlen, denn der Satz nannte keine Tabelle. Er nannte einen Grund: dafür bräuchte es ein Einwilligungsbanner. Dieser Grund hatte leise aufgehört zu gelten.
Was ihn beendet hat
Eine Frage. Jemand wollte wissen, ob wir eine Absprungrate anzeigen, und die ehrliche Antwort verlangte, den Satz daneben zu lesen, woraufhin er umfiel.
Das ist derselbe Mechanismus, der Anfang des Monats vier andere Behauptungen von dieser Seite genommen hat, und es ist kein Mechanismus, es ist Glück. Das Einzige, was die Aussichten verbessert, ist, die Behauptung so eng zu schreiben, dass sie prüfbar bleibt: nicht „wir messen X nicht, weil Y", sondern „X steht nicht auf dieser Seite" — ein Satz, der die Seite beschreibt, auf der er steht, statt der Gründe dahinter.
Was sich verallgemeinern lässt
Code verrottet laut. Prosa über Code verrottet leise, und sie verrottet meistens in dem Moment, in dem der Code besser wird.
Dreizehn Stellen mussten geändert werden, um einen Satz zu berichtigen: elf Sprachfassungen einer Oberflächenzeichenkette und zwei Absätze handgeschriebenes HTML. Diese Zahl zu kennen lohnt sich vor der nächsten Erklärung, denn sie ist der Preis jeder Behauptung, die über die Seite hinausgreift, auf der sie gedruckt steht.